Interview
Schule beginnt nur schrittweise

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann geht davon aus, dass nach den Osterferien nicht alle Klassen auf einmal zurückkehren können.
Renate Allgöwer

Nach den Osterferien wird der Unterricht in Baden-Württemberg voraussichtlich nur schrittweise wieder beginnen.
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte im Interview mit unserer Zeitung: „Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass wir direkt nach den Osterferien wieder von null auf hundert starten.“ Voraussetzung sei ohnehin, dass die Ausbreitung des Virus bis dahin verlangsamt sei. Dann könnten beispielsweise im Grundschulbereich an einigen Tagen die Klassen eins und zwei ins Schulgebäude kommen, an den anderen Tagen die Klassen drei und vier. So könnten die Abstandsvorschriften in den Klassenzimmern eingehalten werden. „Natürlich“ würden „verschärfte Hygienebedingungen“ beachtet. Es werde auch überlegt, ob nur die Abschlussklassen an die Schulen zurückkehren sollten, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Das Ministerium bereite sich selbst auf den Fall vor, „dass die Schulen bundesweit bis zum Sommer geschlossen bleiben müssen“. Allerdings geht Eisenmann gegenwärtig davon aus, dass die Prüfungen wie geplant im Mai abgehalten werden. Ansonsten gelte: „Man wird sich darauf einstellen müssen, dass manches erst langsam wieder anlaufen wird.“ Schneller soll es jedoch mit der Digitalisierung der Schulen gehen. Bedingt durch die aktuelle Situation, wolle das Land den angekündigten zentralen Messengerdienst für die Schulen ein halbes Jahr früher als angekündigt zur Verfügung stellen. „Wenn unsere letzten Tests erfolgreich laufen, bereits nach den Osterferien“, stellte Eisenmann in Aussicht. Geplant war die Einführung im Herbst. Es ist für die Kultusministerin eine Erkenntnis aus der Krise“, dass die Verantwortlichen an der Digitalisierung der Schulen „schneller und intensiver arbeiten müssen“. Das Kultusministerium plant außerdem Unterstützungsprogramme für Kinder, denen während des Unterrichts zu Hause die Unterstützung gefehlt hat. Eisenmann sagte: „Die Kinder werden mit sehr unterschiedlichem Lernstand aus dieser Phase des e i g e n s t ä n d i g e n L e r n e n s herauskommen.“ Sie verspricht: „Wir werden uns überlegen, wie wir denen, die sich in dieser Zeit schwergetan und Nachholbedarf haben, an der Schule besonders helfen können.“ Die Bundesländer stimmen sich nach Einschätzung der Bildungsministerin inzwischen zum Umgang mit der Corona-Krise im Bildungsbereich gut ab, nachdem etwa das Land Schleswig-Holstein jüngst einen Vorstoß zur Absage der Abiturprüfungen gemacht hatte. „Das hat den völlig fatalen Eindruck der mangelnden Abstimmung nach außen getragen“, kritisierte Eisenmann. Sie plädiert jedoch für eine differenzierte Vorgehensweise: „Wir müssen auch sehen, dass wir in den Ländern unterschiedliche Belastungen durch Corona haben und auch die Verbreitung unterschiedlich ist.“ Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg seien besonders betroffen. „Da wird man im Einzelfall auf die konkrete Situation vor Ort reagieren müssen“, verlangt Eisenmann. Aber das müsse in Absprache passieren. Die baden-württembergische Kultusministerin verlangt: „Es muss deutlich werden, dass die Schülerinnen und Schüler, egal in welchem Bundesland, keinen Nachteil durch diese Corona-Krise haben werden.“ ©